Auf die Plätze fertig, ausmisten! – Wohin mit euren alten Sachen?!

Tipps zum Recyceln, Upcyceln, Flohmarkten, Spenden….

Wer sich immer mal wieder unserem allseits verbreiteten Materialismus stellt und sich vor Augen führt, wie viel Kleidung, Unterlagen, Geschenke oder auch einfach nur Kram wir innerhalb kurzer Zeit ansammeln, kommt vielleicht auch öfter mal auf die Idee, auszumisten und sich all dessen zu entledigen, was man nicht mehr braucht und womöglich ohnehin nie gebraucht oder gemocht hat.

So ein Ausmist-Marathon kann nicht nur bitter nötig werden, weil man beispielsweise in eine kleinere Wohnung zieht, er wirkt auch – finde ich – regelrecht befreiend. So automatisch wir auch alle möglichen Waren und Produkte ansammeln, so sehr entlastet uns auch weniger Besitz, weniger Kram um uns herum, der uns einengt und irgendwie unbeweglich macht. Hinzu kommt noch das Thema des besagten, fast schon krankhaften Materialismus – eine passende Inspiration zur Materie bietet der Kommentar von Assya Barette über die Herausforderung, 200 Tage nichts neues zu kaufen.

Aber wohin dann mit all dem Ausgemisteten?

Wegschmeißen ist schließlich – in vielen Fällen – keine Option und wäre eine reine Bestätigung der so oft beklagten Interessenlosigkeit vieler Menschen an unserer Erde, ihrer Bevölkerung und der gemeinsamen Zukunft. Möglichkeiten habt ihr allerdings genug. Wir wollen euch hier einige Ideen vorstellen, inklusive einiger (noch) weniger lokaler Tipps in Halle (Saale) und Bielefeld, sodass ihr sofort alle Optionen vor der Nase habt.

Für alles und nichts: Der gute, alte Flohmarkt

Schon als Kind verkaufte ich auf Schulflohmärkten Bilderbücher, Kuscheltiere und andere Spielzeuge, die bei uns nur noch in der Ecke lagen, anderen Kindern aber noch eine große Freude machten. Neben solchen Flohmärkten, die von Schulen oder Kulturzentren veranstaltet werden, finden sich natürlich gerade in Studentenstädten auch häufig kleinere Flohmärkte, die speziell für Kleidung, aber auch kleinere Möbelstücke u. ä. gedacht sind.

Wer in Halle (Saale) unterwegs ist, sollte sich beim La Bim informieren – dort finden mehrmals im Jahr Flohmärkte, oft inklusive kostenlosem Kleidertausch statt. Eure nächste Chance in Halle jede Menge loszuwerden, habt ihr am 03.10. auf dem August-Bebel-Platz beim „Großen Alles-muss-raus-Alles-muss-rein-Flohmarkt“. Eure freiwillige Standgebühr geht außerdem an eine lokale Flüchtlingsinitiative, ebenso wie die Verkäufe an Kuchen und Kaffee.

Wenn ihr richtig was loszuwerden habt: Der Haus-Flohmarkt

Die ganze WG hat ausgemistet und jetzt gilt es, unbenutzte Töpfe, einen funktionierenden Wasserkocher, den pinken Badezimmerteppich und außerdem noch jede Menge Krempel aus euren Zimmern loszuwerden? Wer viele Sachen an einer Stelle zu verkaufen hat, tut gut daran, sich den Flohmarkt gleich nach Hause zu holen: Veranstaltet einen Haus-Flohmarkt, zu dem ihr neben euren Freunden deren Freunde, jegliche Kommilitonen und überhaupt möglichst viele Leute einladet. Die sozialen Netzwerke geben uns heute schließlich jede Menge Möglichkeiten, auch solche Veranstaltungen zu verbreiten. Mit ein bisschen Deko, guter Musik und vielleicht der Möglichkeit eine Tasse Kaffee oder Tee abzustauben, bringt ihr eure Besucher dazu länger zu verweilen und werdet hoffentlich viel los.

Verkaufen vom Sessel aus: Flohmarkt online

Wer auf das Feilschen am Flohmarkt-Stand keine Lust hat, verkauft am besten bequem im Internet: Im Allgemeinen viel genutzt werden Ebay Kleinanzeigen, wo von Kleidung über Bücher und Elektrogeräten bis hin zu Möbeln und Kinderspielzeug wirklich alles angeboten wird. Das Ganze ist kostenlos und funktioniert sowohl lokal als auch in ganz Deutschland, eure Verkäufe könnt ihr dann ja auch verschicken. Aber gerade für größere Teile wie Möbel oder Fahrräder bietet es sich ja an, die Sachen nicht weit transportieren zu müssen.

Noch frischer auf dem Markt der Online-Flohmärkte ist Shpock, insbesondere auch als App viel genutzt. Auch hier könnt ihr eure Angebote kostenlos einstellen und euch mit potentiellen Käufern in Verbindung setzen.

Online zu verkaufen ist meist zeitaufwändiger als einmal alles zum Flohmarkt zu schleppen – schließlich müssen Fotos gemacht und Beschreibungen geschrieben werden. Außerdem werdet ihr nicht alle Sachen auf einmal los, werdet aber oft noch etwas mehr Geld für eure alten Schätze herausschlagen können.

Speziell für Kleidung: Kleiderkreisel, Kleiderkorb oder Miralia

Wer seinen Kleiderschrank ausgemistet hat oder gerne öfter mal die Garderobe wechselt, ist mit dem allseits bekannten Kleiderkreisel, aber auch mit den noch unbekannteren Kleiderkorb und Miralia gut beraten. Alle drei Seiten bieten eine Online Plattform, um Kleidung, Accessoires und Schuhe zu verkaufen, ebenfalls nach einem Flohmarkt-Prinzip. Der Vorteil an Kleiderkreisel: Die Community ist sehr groß, es warten jede Menge potentielle Käufer auf euch. Nachteil: Mittlerweile ist Kleiderkreisel so etabliert und so professionell, dass sie es sich erlauben können, mit ihrer Seite auch Geld machen zu wollen. Also kostet euch ab 15. September jeder Verkauf 5 % des Preises, ab 1. Januar 2016 sogar 10 %. Dafür seid ihr aber auch bei nicht ankommenden Paketen u. ä. abgesichert.

Kleiderkorb hat (noch) eine kleinere Community) – ich habe dort bisher nur ein Teil verkauft, bei Kleiderkreisel schon etliche. Dafür ist bisher alles kostenlos. Ganz neu dabei im Online Second Hand Bereich ist Miralia. Die Plattform existiert erst seit 21 Tagen (Stand: 1.09.15), hat aber schon über 700 Nutzer. Viele Kleiderkreisler sind mit den neuen Bedingungen nicht einverstanden und werden somit wohl zu diesen Seiten wechseln – und die dortigen Möglichkeiten zu verkaufen wohl wachsen.

Mädelsabend inklusive Modenschau: Kleidertausch

Wer vor allem Kleidung loszuwerden hat, vielleicht aber gerne ein paar neue Teile für lau hätte und keine Lust auf Flohmarkt hat, sollte daraus gleich ein Social Event mit Freundinnen (und unter Umständen Freunden) machen: Organisiert einen gemeinsamen Kleidertausch-Abend, stellt genug Lieblingsgetränke und Knabbereien auf den Tisch. Dann fehlt nur noch ihr und eure aussortierte Kleidung – die kann im Grunde auf einen großen Haufen geschmissen werden und jeder wühlt sich in Ruhe durch. Anprobieren und bewundern lassen inklusive – garantiert findet ihr unter den Teilen, die bei der einen nur die Schublade bewachen, noch ein neues Lieblingstop oder die perfekte Jeans.

Natürlich lassen sich auch andere Sachen untereinander tauschen, legt aber vorher fest, was ihr alles in euren Tauschabend einschließt. Außerdem solltet ihr im Vorhinein gemeinsam entscheiden, was mit den Teilen passiert, die doch keiner von euch mehr haben möchte und wer sich darum kümmert – sonst bleiben die Reste beim Gastgeber liegen, der sich damit herumärgern muss.

Kleidungsstücke gegen Gutschein bei H&M – mit Skepsis zu genießen

Man mag ja von H&M halten, was man will – aber auch wenn der neue Eifer des Unternehmens mehr sogenannte „Conscious fashion“ zu produzieren, sowie Herstellungsbedingungen, Löhne, Materialien etc. offen zu legen, nur geschicktes Image Polieren ist, ist es doch immerhin ein Anfang. Ebenso ist es die Initiative, alte Kleidung (jeglicher Marken natürlich) sowie auch Stoffe und andere Textilien zu sammeln und zu recyceln bzw. weiterzuverwenden. Man kann also in jeder H&M Filiale Tüten mit alten Kleidungsstücken, auch kaputten, abgeben, die dann im sogenannten Mode-Kreislauf weiter existieren. Das Ganze ist mit Vorsicht zu betrachten, scheint doch unklar, was genau mit den Textilien passiert und wie viel Geld der Mode-Konzern damit macht. Außerdem regt der Rabatt-Gutschein, den man beim Abgeben der Altkleider erhält, letztlich nur dazu an, wieder mehr Zeug zu kaufen…

Romane, Bildbände, Schullektüren: Bücher leben in Second Hand Buchhandlungen und Antiquariaten weiter

Ich persönlich träume ja von einem Raum, dessen gesamte Wände mit gefüllten Bücherregalen gestaltet sind – so viel Platz ist aber leider (noch) nicht. Wem’s ähnlich geht, der kann gelesene Bücher oder solche, die einfach ein Fehlgriff waren, zu (modernen) Antiquariaten bzw. Läden, die gebrauchte Bücher verkaufen, tragen.

In Halle ist euer Anlaufspunkt Rotschildt Bücher – genauere Infos zum Ankauf gibt’s hier.

Weg damit – in Hände, die eure Sachen dringend brauchen können: Spenden vor Ort

Sachspenden sind gerade bei lokalen oder regionalen Einrichtungen mindestens genauso gern gesehen wie Geldspenden – vorausgesetzt natürlich, die Waren werden gerade gebraucht und sind in einem guten Zustand. Deswegen: Informiert euch vorher, wo ihr was spenden wird und wo vielleicht gerade Not am Mann ist. So werden für die zahlreichen Flüchtlinge, die Deutschland dieser Tage erreichen zwar auch viele Kleidungsstücke benötigt – seid euch aber bewusst, dass es sich vor allem um kleine Männergrößen handel und auch viel darum gebeten wird, Unterwäsche zu spenden. Die muss dann selbstverständlich aus hygienischen Gründen neu sein. Gleiches gilt für Hygiene-Artikel. Doch auch Spielzeug für Kinder sowie unter Umständen alte Schulbücher oder einfache Lektüren können den Neuankömmlingen die ersten Schritte in unsere Mitte erleichtern.

Die Flüchtlingsräte der Länder kennen die aktuelle Lage in eurer Region, außerdem halten Facebook-Seiten wie „Leipzig hilft Flüchtlingen“ euch auf dem Laufenden.

Wer einen älteren Laptop loswerden möchte, kann diesen bei Labdoo abgeben, einem weltweit agierenden Verein, der diese älteren, aber noch funktionierenden Betriebssysteme mit einer Bildungssoftware bespielt, um sowohl Flüchtlingskindern in Deutschland, als auch Kindern und Jugendlichen in aller Welt eine Möglichkeit zu verschaffen, (digital) zu lernen. Alle Annahmestellen in Deutschland seht ihr hier.

Schnell und einfach: Die (hoffentlich ehrliche) Altkleidersammlung

Einfach Kleidung spenden geht natürlich auch über die Altkleidersammlung – achtet aber hier bitte darauf, dass die Container tatsächlich vom Roten Kreuz oder ähnlichen Organisationen sind und nicht (nur) Profit mit euren Spenden gemacht wird. Dennoch sollte euch klar sein, dass nicht alle Kleidungsstücke aus der Sammlung weiterverschenkt werden, vieles wird in entsprechenden Läden der Organisationen verkauft, der Erlös geht allerdings wieder in die jeweiligen Projekte der Einrichtungen.

Ganz allgemein sind natürlich Kirchengemeinden ebenfalls gute Anlaufstellen für Sachspenden – im Zweifelsfall gibt man euch hier ansonsten noch einen Tipp, wo ihr die Sachen hinbringen könnt.

Bunt Gemischtes weitergeben: Spenden für den Oxfam-Laden

Oxfam-Läden gibt es in den Innenstädten vieler deutscher Städte. Hier werden Second Hand Waren aller Art verkauft – und auch derartige Spenden angenommen. Laut der Homepage gehen immerhin 23 % der Einnahmen direkt an Oxfam Deutschland e.V. und finden Eingang in weitere Projekte des Vereins. Mehr Infos zu den Produkten, die angenommen werden, wo der nächste Oxfam Shop in eurer Nähe ist und über Konzept und Projekte des Vereins findet ihr hier.

Extra-Tipps für Hallenser: In Halle gibt es den sogenannten Umsonst-Laden vom Postkult e.V. Hier könnt ihr Gebrauchtes hinbringen, findet vielleicht noch etwas, was sich in eurem Regal gut macht und überlasst anderen Besuchern des Ladens das, was ihr nicht mehr haben möchtet.

Stellt es auf die Straße: Ab in die Givebox mit eurem Aussortiertem

Natürlich könnt ihr aussortierte Gegenstände auch einfach auf der Straße platzieren und ein „Zu verschenken“ Schild dran hängen, in Halle sehe ich das oft genug. Aber: Zentraler Punkt für das Verschenken und Tauschen von Ausgemistetem wird in immer mehr Städten eine Givebox, also eine Art kleine Hütte oder ein Unterstand, wo jeder gebrauchte, aber noch intakte Kleidungsstücke, kleinere Möbel, Bücher etc. hinbringen und auch mitnehmen kann.

Genauere Infos zur Givebox in Halle findet ihr hier.

Die Bielefelder Version findet ihr in der Windelsbleicherstraße 224.

Adressen aller Giveboxen in Deutschland und der Schweiz könnt ihr hier aufrufen.

Speziell für Bücherfreunde finden sich an vielen Orten auch öffentliche Bücherschränke, in denen ihr bereits gelesene Bücher gegen ein von jemand anderem aussortiertes tauschen könnt (oder eben auch nur eure beendete Lektüre zurücklassen könnt). Eine Liste bietet Wikipedia.

Aus alt mach neu – Recycling und Upcycling

Wie unsere Leser wissen, sind wir große DIY-Fans, wenn Uni, Job und Hobbys uns die Zeit dazu lassen. Noch erfüllender werden DIY Tage, wenn man dabei gebrauchte Materialien verwendet und gebrauchte Gegenstände oder Kleidungsstücke verschönert oder etwas Neues aus ihnen macht. Also eine Runde Upcycling und schon gefällt euch euer neu bedrucktes T-Shirt wieder viel besser, kann der Stoff der alten Jeans für eine Tasche weiterverwertet oder das Buch zu einem edlen Kästchen für Krimskrams werden.

Ganz viele tolle Upcycling-Ideen, die auch gar nicht schwer umzusetzen sind, findet ihr auch auf dem Blog andersdenken.at.

(Wenn man dann natürlich, so wie ich, den Impuls hat alles Mögliche an Sperrmüll, Resten aus der Fahrradwerkstatt etc. erst mal mit nach Hause zu schleppen, weil man sich denkt, „Och, da mach ich doch noch was draus“, ist das Ausmisten auch für die Katz gewesen…)

P.S.: Ihr habt selbst noch viel mehr und bessere Ideen sowie weitere Anlaufstellen, egal wo auf der ganzen Welt?! Schreibt uns eine Nachricht oder setzt einen Kommentar unter den Post – wir freuen uns über jeden Tipp!

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2 Kommentare zu „Auf die Plätze fertig, ausmisten! – Wohin mit euren alten Sachen?!

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