Zwischen den Welten

studium

Ein letztes Mal im Hörsaal sitzen, die letzte Prüfungsleistung erbringen, das letzte Mensaessen mit den Kommilitonen – nun ja – genießen. Dann heißt es Abschied nehmen, vielleicht sogar für immer. Ich selbst war schon etwas wehmütig, als ich meine Masterarbeit im März diesen Jahres abgegeben und mein Zeugnis im Mai abgeholt habe.

Mein erster Vollzeitjob kam vier Wochen nach Studienende. Und mit ihm der große Bruch. Vorbei das selbstbestimmte Arbeiten, vorbei die Unabhängigkeit, vorbei die vielen Freiheiten. Aus Internetforen und Onlineartikeln weiß ich, dass ich nicht die einzige bin, die diese Umstellung unverhofft getroffen hat.

Dieser Post soll euch allen da draußen Mut machen, aus der Seele sprechen und praktische Tipps geben, damit auch ihr die Umstellung von Vollzeitstudium auf Vollzeitjob packt – egal, wie plötzlich euch der Arbeitshammer trifft.

Fünf Jahre habe ich in der Uni gelernt, fünf Jahre Texte gelesen, Hausarbeiten geschrieben, unheimlich viele Menschen kennen gelernt und einen Bachelor- sowie einen Masterabschluss gemacht. In diesen fünf Jahren habe ich alles selbst organisiert: meinen Stundenplan, meinen Tagesablauf, mein Arbeitspensum, meine Nebenjobs (und davon hatte ich zwischenzeitlich drei Stück gleichzeitig).

Als ich dann im Mai angefangen habe, in Vollzeit zu arbeiten, kam es zu einem ziemlichen Umbruch. Auf einmal legte mein Job meine Arbeitszeiten fest – 8 bis 16 Uhr täglich. Auf einmal saß ich acht Stunden am Tag an ein und dem selben Ort. Auf einmal war mein Lernzuwachs wesentlich geringer. Auf einmal schwand meine frei verfügbare Zeit.

Keine Freiheit mehr?

Ich habe mich mehr oder weniger unerwartet unheimlich schwer mit all diesen Umstellungen getan. Bereits während des Studiums habe ich viel gearbeitet und so meine 40-Stunden-Woche locker voll bekommen. Doch nun waren alle Freiheiten auf einmal weg.

Morgens bis 10 Uhr schlafen, um stattdessen abends bis 22 Uhr zu arbeiten?Nicht mehr möglich.

Mit einer Freundin am Donnerstag entspannt frühstücken gehen? Nicht mehr möglich.

Am Montag morgen die Geschäfte der Innenstadt unsicher machen, um lange Schlangen zu vermeiden? Nicht mehr möglich.

Alles richtig, das Studium ist in der Hinsicht wirklich praktisch. Aber wie oft habe ich mir während des Studiums gewünscht, einen geregelten Tagesablauf zu haben, geregelt Geld zu verdienen und Abends um 22 Uhr nicht mehr am PC zu sitzen?

Mich hat die Uni darauf vorbereitet, Hausarbeiten und Essays zu schreiben, wissenschaftliche Texte zielgenau nach Informationen zu durchforsten und mit Menschen in einer Gruppe zusammenzuarbeiten, die man eigentlich gar nicht in seiner Gruppe haben möchte. Aber wie ich den Sprung in die ganz reale Berufswelt schaffe – darauf hat mich die Uni überhaupt nicht vorbereitet. Hatte ich das erwartet? Eigentlich nicht. War ich überrascht, dass es so kam? Irgendwie schon.

Damit es euch nicht – oder nur bedingt – so geht, möchte ich euch ein paar Tipps geben, die euch helfen sollen, den Übergang vom Studium in den Job zu meistern, Zweifel zu beseitigen, eure Zeit gut zu nutzen und euer Uniwissen so gut wie möglich zu nutzen.

 

Vom Studium in den Job – Meine Tipps an euch

 1. Zeit sparen beim Kochen

Während des Studiums habe ich noch suuuper viel Zeit gehabt, die leckersten Gerichte zu kochen – wenn ich nicht gerade in der Mensa war. Sobald ihr arbeitet, müsst ihr euch meistens selbst versorgen – und habt weniger Zeit, die ihr dann nicht unbedingt nur in der Küche verbringen wollt.

Ich habe seitdem die One-Pot-Rezepte für mich entdeckt. Nun stehe ich maximal noch 30 Minuten pro Tag in der Küche und spare zusätzlich Zeit, indem ich für den nächsten Tag gleich mitkoche. Also 30 Minuten kochen, zwei Tage essen, macht 15 Minuten pro Tag.

Besonders toll finde ich auch die Overnight Oats. Ihr bereitet sie euch abends schon zu und könnt so morgens noch ein paar Minuten liegen bleiben. Die Zeit, die ihr euer Porridge auf dem Herd kochen würdet, spart ihr dadurch – denn diese Arbeit übernimmt über Nacht der Kühlschrank.

2. Macht jeden Tag etwas, das ihr nur für euch tut

Eine Stunde beim Sport, ein Konzert mit der besten Freundin, ein Glas Wein oder ein gutes Buch: Belohnungen sehen für jeden von uns anders aus. Es ist unheimlich wichtig, sich in kleinen Stimmungstiefs mit schönen Dingen über Wasser zu halten. Nehmt euch also morgens vor der Arbeit schon etwas Schönes für den Feierabend vor. Vielleicht bummelt ihr noch eine Stunde durch die Innenstadt? Oder ihr kauft euch eure Lieblingsschokolade? Es muss nichts Großes sein, aber ihr solltet es durchziehen – jeden Tag. Dadurch erhält eure freie Zeit nach der Arbeit viel mehr Gewicht und bleibt euch positiv im Gedächtnis. Das ersetzt natürlich nicht die Freiheiten eines Studiums, aber es zeigt euch, dass ihr immer noch das tun könnt, was ihr möchtet – auch wenn ihr nicht mehr selbst bestimmt, wann und wo ihr arbeitet.

3. Feiert das Wochenende

Und das nicht nur im Club. Egal, was ihr gerne macht, am Wochenende gehört die Zeit wieder ganz euch. Ich versuche immer, meine Wochenendpflichten schon am Freitag nach der Arbeit zu erledigen. Dann putze ich die Wohnung, wasche die Wäsche und räume auf, damit das Wochenende wirklich so schön wie möglich ist und ihr keinerlei „Pflichten“ zu erledigen habt. Vielleicht habt ihr auch Lust, euer Wochenende mit einem Drink oder einem leckeren Essen einzuläuten. Jogginghose an und ab aufs Sofa? Kein Problem! Tut, worauf ihr Lust habt und was euch gefällt.

4. Lernt nicht aus

Am Studium habe ich eines besonders geliebt: das viele Lernen! Nicht, dass ich mich gerne hingesetzt und Hirnwindungen gepaukt habe, aber die Tatsache, Unmengen an Wissen in kürzester Zeit aufzunehmen, war mein persönliches Highlight. Nach dem Studium ist mein Wissensdurst nicht verschwunden – der täglich hohe Lernzuwachs aber schon. Das hat mich mit am meisten mitgenommen. Ich wollte mehr, mehr, mehr lernen, wissen, erfahren. Nur kann euch das fast kein Job wirklich bieten, und wenn dann nur über kurze Strecken. Ich habe also wieder angefangen, interessante Bücher zu lesen, habe in der Mittagspause Zeitschriftenartikel durchforstet, schau mehr Dokus im Fernsehen und höre auf dem Weg zur Arbeit Musik auf Französisch oder Finnisch – meinen nicht-fließenden Fremdsprachen. So lerne ich jeden Tag immer weiter. Dabei kommt es mir darauf an, dass ich abends sagen kann: „Heute habe ich wieder etwas Neues gelernt.“ Was genau das ist, ist mir egal. Hauptsache, es macht mich neugierig. 🙂 Vielleicht bietet euer Arbeitgeber auch die Teilnahme an Workshops, Seminaren, Weiterbildungen an? Nehmt mit, was ihr kriegen könnt, wenn ihr niemals genug lernen könnt.

5. Kein Grund zur Panik

Es geht vielen so, dass sie nach dem Studium einen „Kulturschock“ erleiden, wenn sie ihren ersten „richtigen“ Job antreten. Warum zögern wohl so viele ihren Studienabschluss hinaus? Führt euch immer wieder vor Augen, warum ihr eigentlich studiert habt, und was eure Ziele sind. Ihr wollt eine Familie gründen, ein Haus kaufen, Kinder ernähren? Geht nicht ohne Job. Ihr wollt Karriere machen und Geld ohne Ende verdienen? Geht erst recht nicht ohne Job. Es führt kein Weg daran vorbei, in den Beruf einzusteigen. Und so viele vor euch haben es geschafft. Setzt euch kleine Ziele, seid nachsichtig, wenn ihr nach der Arbeit müde und kaputt nach Hause kommt und auf dem Teller eine Tiefkühlpizza statt eines Salates landet. Und seid nachsichtig, wenn ihr eurer Freundin absagen müsst, weil ihr einfach einen Abend Ruhe braucht. Je länger eure letzte Vorlesung zurückliegt, desto weniger vermisst ihr euer Studium. Ganz bestimmt. Denn am Ende gewöhnt man sich noch an alles. 🙂

 

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4 Kommentare zu „Zwischen den Welten

  1. Interessante Sichtweise. Ich hatte diesen Schock eigentlich nicht. Das Arbeitsleben hatte ich mir schon so vorgestellt. Wahrscheinlich auch weil er von einem anderen Schock überlagert wurde: Ich musste mein Studium abbrechen, da ich plötzlich in einer Situation war, wo ich auf ein Vollzeiteinkommen angewiesen war. Dazu kamen täglich noch 4 h Pendeln, 2 hin und 2 zurück.
    Am Anfang habe ich gedacht, ich kann nebenbei irgendwie studieren, aber da man dafür ja auch zu normalen Zeiten an der Uni sein muss, ging da gar nichts.
    Dass ich mein Studium abgebrochen habe, habe ich nie richtig verkraftet. Früher wollte ich sogar Professorin oder zumindest Doktorandin werden. Ich habe dafür gebrannt, ich hatte gute Noten, ich hatte diesen Drang in die Forschung. Am Ende musste ich sogar noch richtig froh sein, überhaupt diesen Job gehabt zu haben, Sonst wär ich wer weiß wo gelandet.
    Und jetzt, viele Jahre später, bin ich in Teilzeit und wieder an der Uni, um zu beenden, was ich begonnen habe. Aber die Leidenschaft ist weg. Die Realität hat mich so weit von der Universität entfernt.
    Hat schon seinen Sinn erst zu Studieren und dann zu Arbeiten. 🙂

    Liebe Grüße, Anja

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Anja,
      stellvertretend für Karo danke ich dir schon mal für deinen Kommentar 😉
      Vielleicht ist bei dir auch schon zu sehr eingetreten, was Karo in ihrem letzten Satz schreibt: Man gewöhnt sich an alles. Schließlich wird niemandem von uns der Weg in die Arbeitswelt „erspart“ bleiben und ich finde auch, dass geregelte Arbeitszeiten und ein regelmäßiges Einkommen eindeutig Vorteile haben. Aber es klingt so, als hättest du dich damals auch mit der Situation schnell aus der Not heraus angefreundet – und erlebst eigentlich jetzt die Rolle rückwärts dessen, was Karo beschrieben hat. Ich finde es toll, dass du dich entschieden hast, deinen Studienabschluss nachzuholen und glaube, dass auch du vielleicht nur wieder eine Eingewöhnungsphase brauchst – zumindest drücke ich dir die Daumen, dass es so ist! 🙂
      Liebe Grüße, Larissa

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    2. Liebe Anja,
      was mir einfach besonders schwer fiel, war der Abschied von meiner selbstorganisierten Arbeitsweise, die mir so sehr lag. Interessant finde ich immer wieder, wie unterschiedlich die Wege aus der Uni in die „Realität“ sind. Daher freue ich mich total über deinen Kommentar und hoffe, dass dein Weg dir noch viele schöne Momente beschert – egal ob in der Uni oder nicht!
      Viele liebe Grüße
      Karo

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      1. Danke für eure Kommentare 🙂
        Mir gefällt die selbst organisierte Arbeitsweise auch besser. Ich würde es vielleicht irgendwann gerne mit Selbstständigkeit versuchen. Ich komme mit der Abhängigkeit im Angestelltenverhältnis nicht gut klar. Langfristig gibt es da immer Stress. Ich versuche den Job immer mal wieder zu wechseln, aber das ist ja Langfristig auch keine Lösung. Ich komme mit diesem Konkurenz.Denken nicht gut klar, den manche Kollegen und Kolleginnen an den Tag legen und der meist in irgendwelche Intrigen und Abwertung von Anderen mündet. Grässlich sowas. Ich bin da vielleicht auch etwas naiv und gutgläubig und merk sowas meist erst, wenn es schon zu spät ist (ich denk dann so: Das war sicher nicht bös gemeint. Das war sicher keine Absicht….jaja -.-). Damit meine ich nicht den Leistungsdruck, das ist ok, das gibt es ja auch an der Uni. Solange jeder nach seiner Leistung bewertet wird, ist das ja ok. Ich meine diesen zwischenmenschliche Neid und das ganze Theater, versuchen andere Auszunutzen und das ganze schlechte Gerede. Das habe ich im Studium nie in diesem Ausmaße erlebt.

        Liebe Grüße, Anja

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