#ferrantefever: Ein bisschen hat’s auch mich erwischt

Meine geniale Freundin von Elena Ferrante

Kaum ein Titel der Unterhaltungsliteratur wurde schon vor und seit seinem Erscheinen dieses Jahr so gehypt wie Elena Ferrantes Meine geniale Freundin, der erste Band einer Tetralogie, die im Neapel der 50er Jahre bis heute spielt.

Nun ist Ferrantes Serie sowohl in Italien, als auch in der englischsprachigen Welt bereits ein Bestseller, wir Deutschen hängen dem ganzen Zirkus ein bisschen hinterher – was auch der Grund ist, dass ich das Buch zwar auf Italienisch gelesen habe, allerdings eben auch erst jetzt (Italienisch im Nebenfach zu studieren heißt nämlich noch lange nicht, dass man irgendeine Ahnung von der dortigen Gegenwartsliteratur hätte).

Angesichts dieses bisherigen Erfolgs jedoch wurde der Titel auch hierzulande mit Hochspannung erwartet und hat sogar seinen eigenen Hashtag: #ferrantefever. Die nächsten Bände sollen nun in kurzer Abfolge ebenfalls erscheinen (der nächste bereits Anfang 2017).

Auch wenn ich mir diese Wartezeit ja sparen und einfach auf Italienisch weiterlesen könnte – ich bin mir noch nicht sicher, ob es dazukommen wird. Sicherlich habe ich nicht mit dem Lesen des letzten Satzes die Fortsetzung bestellt. Das liegt wohl auch an dem noch vorhandenen und stetig größer werdenden Stapel ungelesener Bücher in meinem Regal. Aber auch wenn ich Meine geniale Freundin bzw. L’amica geniale wirklich gern gelesen habe, hat es mich nicht mit dem Verlangen zurückgelassen, sofort weiterlesen zu müssen.

Doch zu der Geschichte selbst:  „#ferrantefever: Ein bisschen hat’s auch mich erwischt“ weiterlesen

Von Visionen, Folterkammern und jahrelangen Schatten

„The Blue Line“ von Ingrid Betancourt

Bücher, die in ihrem Titel das Wort Argentinien tragen oder deren Geschichte sich um dieses Land drehen, ziehen mich (oft) magisch an. So blieb ich auch an Ingrid Betancourts „The Blue Line“ (bisher nicht auf Deutsch übersetzt) hängen, als ich es durch Zufall in die Hände bekam und den Klappentext las:

Der Roman dreht sich um die Militärdiktatur in Argentinien von 1976 bis 1983, eine der heftigsten und gewalttätigsten, die das Land und die ganze Region gesehen haben. Unter der rechts gerichteten Militärregierung verschwanden zig Menschen, die sogenannten Desaparecidos, deren genaue Anzahl bis heute umstritten ist und die in zahlreichen Fällen buchstäblich einfach von der Bildfläche verschwanden und in geheimen Gefängnissen und Folterzentren festgehalten und missbraucht wurden. Sehr viele wurden in Massengräbern gefunden, die Körper zahlreicher anderer sind auf immer verschwunden – die Handlanger der Militärregierung warfen sie aus Flugzeugen über dem Meer ab.

„The Blue Line“ erzählt nun von zwei Desaparecidos, die überlebt haben, Julia und Theo, und deren verworrene Lebensgeschichte mit diversen Zeitsprüngen beschrieben wird: Die beiden lernen sich in ihrer Jugend in Buenos Aires kennen und treten der Montoneros-Bewegung (eine linksgerichtete Guerilla-Organisation, die Juan Domingo Perón anhing) bei. Ihre Gesinnung macht sie nach dem Militärputsch zu Zielscheiben der neuen Regierung und es dauert nicht lange, bis sie aus ihrer Wohnung entführt und -getrennt – in eines der Folterzentren gebracht werden. „Von Visionen, Folterkammern und jahrelangen Schatten“ weiterlesen

Auf nach Istanbul…

…zumindest auf 500 Seiten:

Diese Fremdheit in mir von Orhan Pamuk

Wusstet ihr, dass man mit einem Interrail-Ticket bis nach Istanbul reisen kann? Irgendwo in unseren Köpfen hatten meine Schwester und ich diese fixe Idee, es bis dorthin zu schaffen, als wir vor ein paar Jahren quer durch Europa unterwegs waren. Die Zeit war letztlich doch zu knapp und Osteuropa zu vielseitig, sodass wir „nur“ bis Bulgarien gekommen sind.

Trotzdem habe ich seit diesem Sommer (fast) das Gefühl schon mal da gewesen zu sein und der Stadt außerdem ein paar Jahrzehnte beim Wachsen und sich Verändern zugesehen habe – dank Orhan Pamuks Roman Diese Fremdheit in mir.

Der Literaturpreisträger erzählt eine fesselnde Familiensaga, in der wir nicht nur in die Verhältnisse, Intrigen und Glücksmomente zweier Familien eintauchen, sondern auch Istanbul, die als Stadt-Charakter erscheint, in ihrem Werdegang von den späten 60er Jahren bis in die 2000er hinein beobachten.

„Auf nach Istanbul…“ weiterlesen

Passende Lektüre für Koffer nach Marokko, Guatemala, Singapur…

Bücher passend zum Urlaubsziel

Ich habe eine Freundin, die ihre Lektüre (unter anderem) danach auswählt, wo sie im Urlaub unterwegs ist. Man muss dazu sagen, dass sie durchaus viel durch die Welt jettet und dementsprechend viel Gelegenheit dazu hat.

Selbst wenn ihr keine Weltenbummler seid, finde ich die Idee sehr charmant und nachahmenswert: „Passende Lektüre für Koffer nach Marokko, Guatemala, Singapur…“ weiterlesen

Wer war eigentlich dieser Goethe…

…und warum ist er heute noch aktuell?
„Warum ein Leben ohne Goethe sinnlos ist“ von Stephan Bollmann, erschienen in der DVA

Dieses Buch ist auch etwas für Nicht-Literaturwissenschaftler – bzw. eigentlich gerade für diese (wobei auch ich als „Fachkundige“ es mit viel Vergnügen gelesen habe): „Warum ein Leben ohne Goethe sinnlos ist“ ist eine populärwissenschaftliche Beschäftigung mit unserem Dichterfürsten, die sich aber tatsächlich mehr mit der Person Goethes und seiner Vorstellung vom Leben auseinandersetzt als mit seinen Werken an sich.

Stephan Bollmann stellt all seine Überlegungen und Ausführungen unter die Prämisse eines eigenständigen Lebens, nach dem Goethe zeitlebens gestrebt habe. „Wer war eigentlich dieser Goethe…“ weiterlesen

Kühne Forschung und düstere Romantik…

…in Thea Dorns „Die Unglückseligen“

Unsterbliche treffen Leser vor allem in Science-Fiction- und Fantasy-Romanen. Dass sie dort öfters mal auftauchen, hängt wohl mit unserer allgemeinen Faszination mit der Idee eines ewigen Lebens und unserer Abneigung gegenüber dem Tod zusammen. Dass sie in Gesellschafts- oder Liebesromanen eher selten einen Auftritt hinlegen, könnte damit zusammenhängen, dass es der Wissenschaft eben (noch) nicht gelungen ist, den Menschen (oder sonst irgendein Lebewesen) unsterblich zu machen oder zumindest den Alterungsprozess signifikant zu verlangsamen.

Was hat also ein verrückter Physiker, der laut Wikipedia zu Beginn des 19. Jahrhunderts verstorben ist, in einem Roman zu suchen, der in der aktuellen Zeit spielt? „Kühne Forschung und düstere Romantik…“ weiterlesen

Seedread – Der Buchshop, der Bäume pflanzt

Öko Online, Teil 1

Online Shopping auf Amazon, Zalando & Co. ist uns in Fleisch und Blut übergegangen. Ein, zwei, drei Klicks und ich habe gefunden,was ich haben möchte. Die Auswahl ist unglaublich groß, die Preise oft besonders niedrig und die Lieferzeiten werden immer kürzer – Amazon Prime Now ist in ersten deutschen Städten schließlich schon aktiv. Hoch lebe der Konsum.

Wäre ja auch alles ziemlich fantastisch (ich finde ja auch, dass man Amazon zuallererstmal anerkennen sollte, dass sie ein unglaubliches Gespür für neue Entwicklungen haben – und keine Scheu, die ersten zu sein, die ins kalte Wasser springen), wenn nicht…ja, was eigentlich? Für mich ist das Problem mit Amazon neben der nahezu Monopolstellung, der Umgang mit den Mitarbeitern. Übrigens ist das ja auch bei Paketdiensten an sich nicht immer so pralle.

Also gebe ich mir Mühe, zumindest Amazon zu vermeiden. (Und dem Paketlieferanten auf de Treppe entgegen zu gehen). Ersteres klappt nicht immer. Aber es gibt Alternativen – und die, die mir bekannt sind und hoffentlich in Zukunft auffallen, werde ich euch hier nach und nach vorstellen.

Wir beginnen gleich mit einem lebenswichtigen Produkt: das Buch. Ja, ich atme Bücherluft, tagtäglich im Job und in der Freizeit. Ich brauche Bücher. Und eigentlich kaufe ich die meisten Bücher immer noch in der Buchhandlung. Selbst wenn ich schon weiß, welchen Titel ich gerne haben möchte, nutze ich die Ausrede, um einen Streifzug durch dieses Paradies auf Erden zu machen. Buchhandlungen sind für mich ungefähr so gefährlich wie Schuhgeschäfte mit den neuesten Manolo Blahniks für die Sex and the City Protagonistinnen.

Gerade fremdsprachige Bücher bestelle ich allerdings doch gerne online, weil die Buchhandlungen sie auch erst reinbestellen müssten und es so oft schneller und, ja, bequemer geht.

Dafür werde ich in Zukunft Seedread nutzen – den Buchshop, der Bäume pflanzt. „Seedread – Der Buchshop, der Bäume pflanzt“ weiterlesen